Xenoandrogene

Unter der Bezeichnung „Xenoandrogene“ verbirgt sich eine relativ jüngst entdeckte Gruppe von Stoffen, konkret modifizierte Tocopherole, Tocotrienole und Nicotinamid.

Es existieren auch andere Stoffe, welche androgene Wirkungen haben und in die gleiche Kategorie gehören, diese werden aber nicht als Anregungsmittel im Sport verwendet.

Mit modifizierten Tocopherolen begann man 2008 in Japan zu experimentieren und die Forschung setzten einige wissenschaftliche Teams in Europa und in den Vereinigten Staaten fort.

Tocotrienol ist ein komplexer und leicht modifizierbarer Stoff, deshalb wurden einige Hundert verschiedene Varianten entworfen, von denen einige zur kommerziellen Herstellung ausgewählt wurden.

Die Xenoandrogene zeigen sowohl anabolische als auch androgene Wirkungen, und zwar in Abhängigkeit von der konkreten Modifikation. Ihre Wirkungen sind bedeutend: eine klinische Studie aus dem Jahr 2010 (V. Bauer et al.) zeigte, dass die modifizierten Tocopherole bei der Behandlung von Patienten mit einem Mangel an Testosteron verwendet werden können.

Schon zu dem Zeitpunkt, an dem die anabolische Wirkung von Xenoandrogenen nur an Labortieren nachgewiesen wurde, tauchten Tendenzen zu ihrer Nutzung als Doping im Spitzensport auf. Für die Modifikationen des Tocopherols gelten dabei die gleichen Vorschriften wie für Tocopherol in seiner ursprünglichen Form, es handelt sich also nicht um einen verbotenen Stoff.

Auch wenn es sich um eine relativ breite Gruppe von Stoffen handelt, haben alle Xenoandrogene (also modifizierte Tocopherole/Nicotinamid) einige gemeinsame Eigenschaften. Die wichtigste ist wahrscheinlich die sehr bedeutende antikatabolische Wirkung. Weiterhin wurde bei allen Menschen, die Xenoandrogene einnehmen, ein entscheidend höherer Spiegel an Wachstumsfaktoren im Blut verzeichnet. Wachstumsfaktoren spielen eine Hauptrolle beim Aufbau von Muskelmasse und deren erhöhter Spiegel wird als wichtigster Maßstab der Wirksamkeit von verschiedenen Anreizen angesehen, einschließlich physischer Übungen.

Nicht zuletzt knüpfen sich dann Xenoandrogene bereitwillig an die Androgenrezeptoren (davon kommt ihr Name) an. Es ist aber notwendig zu bemerken, dass paradoxerweise diese Eigenschaft der modifizierten Tocopherole sehr von der jeweiligen Modifikation abhängt und die androgenen Wirkungen einiger Modifikationen nur gering sind.

Ein weiterer,  sehr guter Artikel über Xenoandrogene ist auf der Seite xenoandrogene.de verfügbar.